Männer mit Bindungsangst

by wbartl@proseco.at
Mann mit Bindungsangst

Männer: Bindungsangst und wechselnde Partner

Bindungsangst ist ein psychologisches Phänomen, das sich in engen Beziehungen zeigt. Oder besser: Das sich darin zeigt, dass engere Beziehungen entweder nicht zustande kommen oder schnell scheitern. Insbesondere Männer sind oft von Bindungsangst betroffen. Eine häufige Reaktion auf Bindungsängste besteht darin, dass Betroffene häufig ihre Partner wechseln, was zu Frustrationen und emotionalen Verletzungen, in manchen Fällen sogar auch zu gesundheitlichen Problemen durch sexuell übertragbare Krankheiten führen kann. Welches sind typische Anzeichen und Symptome von Bindungsangst? Wie äußern sie sich speziell bei Männern? Und was kann man tun, um Bindungsangst zu überwinden?

Was ist Bindungsangst (Anzeichen, Symptome)?

Bindungsangst ist, wie der Name schon sagt, eine Form einer Angststörung, die sich auf Bindungen bezieht. Das heißt, sie zeigt sich in nahen und intimen Beziehungen zu anderen Menschen, insbesondere im romantischen, sexuellen und partnerschaftlichen Bereich.

Die intime Nähe zu einem anderen Menschen kann, vor allem, wenn sie mit Verbindlichkeit und wechselseitigen Ansprüchen und Verpflichtungen verbunden wird, zu Angstreaktionen führen. Typische Angstreaktionen sind Vermeidung, Flucht, Erstarrung oder Kampf. Aus diesem Spektrum stammen die typischen Anzeichen für Bindungsangst: Entweder wird eine Beziehung gar nicht erst eingegangen (Vermeidung), sie wird schnell wieder aufgegeben (Flucht), führt zu passivem Verhalten und Depression (Erstarrung, Unfähigkeit, über Gefühle zu reden) oder wird durch aggressives Verhalten unbewusst sabotiert (Kampf).

Diese Verhaltensweisen führen dazu, dass langfristige nahe Beziehungen bei Menschen mit einer nicht behandelten Bindungsangst chronisch scheitern. Betroffene berichten, dass sie Angst davor haben, ihre Unabhängigkeit und Freiheit zu verlieren. Dahinter steht aber sehr häufig die Furcht vor (erneuten) Verletzungen.

Wie entsteht Bindungsangst?

Diese Form der Angst entsteht aus negativen bis hin zu traumatischen vergangenen Erfahrungen, meistens aus der Kindheit, aber auch aus dem Jugend- und Erwachsenenalter. Ursachen können Vernachlässigung, Missbrauch sowie chronische Konflikte und Gewalt in der Familie sein.

Fehlt einem Menschen die Erfahrung positiver und konfliktbewährter Bindung in der Kindheit, in der Streits und emotionale Differenzen auf eine konstruktive Art gelöst werden können, ohne dass dies die Beziehung und das Vertrauen in der Familie schädigt, fehlt auch die Möglichkeit, auf solche Erfahrungen im Erwachsenenalter zurückgreifen.

Ein Mensch mit Bindungsangst fühlt sich seelisch bedroht, sobald in einem engen, intimen zwischenmenschlichen Kontakt erste Interessenskonflikte auftauchen. Er hat nicht gelernt, dass solche Konflikte nicht zu Dramen, Gewalt führen müssen, sondern dass sie aushaltbar sind und auch zum Wachstum von Beziehungen führen können.

Aber auch spätere schwerwiegende emotionale Verletzungen in Beziehungen und bei Trennungen im Jugend- und sogar im Erwachsenenalter können dazu führen, dass Nähe und Intimität mit „Schmerz“ und Leid assoziiert wird und zu den Angstreaktionen im Spektrum der Bindungsangst führt.

Wie äußert sich Bindungsangst beim Mann?

Die traditionellen Geschlechtsrollen, die Männern zugeschrieben werden, machen es Männern leichter, ihre Bindungsangst zu verbergen, da es sich häufig um sozial akzeptiertes Verhalten handelt. Die Symptome von Bindungsangst bei Männern lassen sich dabei als ein „Herstellen von Distanz“ zusammenfassen. Dabei kann es sich um emotionale, räumliche und zeitliche Distanz handeln.

Diese wird erreicht durch viel Arbeit, Überstunden, zeitaufwändige Hobbys, viele Reisen und Dienstreisen, aber auch die Präferenz für Fernbeziehung oder lockere Affären. Da Bindungsangst immer auch einhergeht mit der Sehnsucht nach Nähe, die durch sie ja bedroht wird und gefährlich wirkt, wirken Männer mit Bindungsangst oft ambivalent und seelisch angespannt. Sie können sich nur punktuell vollkommen entspannen, geraten dann aber schnell wieder in emotionalen Stress.

Männer mit Bindungsangst können durchaus eine sehr intensive Sexualität erleben, die sich für beide Partner sehr innig und verbunden anfühlen kann, die aber letztlich doch nur ausgehalten wird, wenn nach dieser Nähe wieder ein (Sicherheits-) Abstand aufgebaut wird: Sie verschwinden in ihre eigene (getrennte) Wohnung, haben wichtige Termine, wichtige Projekte, lange Dienstreisen und tauchen für längere Zeit ab. Oder sie führen von vornherein nur sexuell betonte Beziehungen entweder mit mehreren Partnern gleichzeitig oder im schnellen Wechsel, die dann eher Affärencharakter haben.

Wechselnde Partner bei Männern

Männer mit Bindungsangst haben oftmals wechselnde Partner. Dies kann für alle Beteiligten sehr belastend sein und zu emotionalen Verletzungen führen, sofern unterschiedliche Vorstellungen von Partnerschaft herrschen und keine Transparenz hergestellt wird. Für von Bindungsangst betroffene Männer kann es teils unmöglich sein, eine feste monogame und beständige Bindung aufzubauen, so dass kurzfristigen Affären gesucht werden, um Bedürfnisse nach emotionaler Nähe ohne die Intensität einer langfristigen Beziehung zu erfüllen.

STI-Test bei neuem Partner

Entscheidet man sich wissend (leider manchmal auch unwissend) für eine intime Beziehung mit einem von Bindungsangst mit häufig wechselnden Partnern betroffenen Menschen oder ist selbst von dieser Form von Bindungsangst betroffen, gehört dazu eine hohe Verantwortung auch im Bereich der sexuellen Gesundheit. Je häufiger die Sexualpartner wechseln und je weniger beim Sex auf Verhütung geachtet wurde, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine sexuell übertragbare Infektion (STI für engl: Sexually Transmitted Infection) zu bekommen bzw. weitertragen zu können. Selbst bei konsequenter Verhütung gibt es Pilze und Bakterien (Chlamydien und Gonokokken), die durch sexuelle Praktiken selbst bei Verwendung von Kondomen übertragen werden können.

Bestehen bereits Beschwerden, bei denen der Verdacht naheliegt, dass es sich um eine STI handeln könnte, kann ein Arzt einen entsprechenden Test durchführen, oder Sie wählen die Möglichkeit eines STI Heimtests. Aber auch zur Prävention der Weitergabe bei unentdeckten Infektionen sind Tests auf STI sinnvoll, insbesondere ein AIDS-Test bei Risikoverhalten.

Kann man etwas gegen Bindungsangst tun?

Ja, es ist möglich, etwas gegen Bindungsangst zu tun. Dazu müssen die Betroffenen aber einen gewissen Leidensdruck verspüren und aus ihm heraus den Wunsch nach Veränderung entwickeln. Eine Psychotherapie hilft dabei, die Ursachen der Bindungsangst zu verstehen und bei einem echten Veränderungswunsch die Ängste durchzustehen und einen alternativen Umgang mit traumatischen Erfahrungen aus der Kindheit zu finden.

Durch die die Veränderung negativer Denkmuster wie („Eine Beziehung bedroht meine Freiheit.“ „Eine Beziehung führt zu Drama und Katastrophe.“) können Menschen mit Bindungsangst lernen, sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen, Vertrauen aufzubauen und mit Nähe und Konflikten in engen Beziehungen konstruktiv umzugehen.

Fazit

Bindungsangst kann sich auf verschiedene Arten zeigen und bei Männern manchmal schwer zu erkennen sein, da ihr „Kompensationsverhalten“ sozial stärker anerkannt ist. Auch wenn durch die Vermeidung und Auflösung von engen Beziehungen die Bindungsangst erst einmal gelöst wird, führt dieses Verhalten oftmals auch zu viel Leid (Einsamkeit, emotionale Verletzungen, unverständliches Verhalten und unbefriedigte Nähewünsche) Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie unter Bindungsangst leiden, kann eine Psychotherapie helfen, sich den Ängsten zu stellen und Vertrauen in Beziehungen aufzubauen. Wenn Sie wechselnde Partner haben, ist es wichtig, sich auf sexuell übertragbare Infektionen zu testen und sich und andere dadurch und durch konsequente Verhütung zu schützen. Eine offene und ehrliche Kommunikation mit Ihrem Partner über Ihre Ängste kann oftmals der erste Schritt in Richtung Veränderung sein und gibt ihm die Chance, Ihr Verhalten besser einordnen zu können.

Foto: Depositphotos.com – matusciac

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