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Wie verlieben sich Männer ab 40

Männer mit 40+ bringen bereits einige Erfahrung mit und lassen sich mehr Zeit.

Männer ab 40 verlieben sich nicht anders als Männer mit 20, weil der Körper in jedem Alter das gleiche uralte Programm abspult, wenn ein Mensch sich verliebt. Männer ab 40 bringen nur sehr viel mehr Kenntnisse und Erfahrungen mit, um diese Verliebtheit zu einer aussichtsreichen Beziehung wachsen zu lassen.

Dazu müssen allerdings erst einige "evolutionäre Fallen" umschifft werden, die mit dem Verlieben auch heute noch einhergehen; manchmal braucht Mann zur Trennungsbewältigung auch noch einige Umwege. Sobald ein reifer Mann wieder offen für eine neue Liebe ist, hat er jedoch die Chance, sich "besser" zu verlieben als jemals zuvor. Nachfolgend können Sie lesen, warum das so ist:

Alter ist keine Garantie für "reife Liebe"

Wenn ein Mann ab 40 aktiv nach einer neuen Liebe sucht oder einer neuen Partnerschaft zumindest offen gegenüber steht - ist er trotz seiner Reife zunächst in Gefahr, sich ganz plötzlich (und vielleicht in einen für die eigene Persönlichkeit "falschen" Menschen) zu verlieben.

Denn der Mann ab 40 stößt in unserer Gesellschaft auf ein großes Angebot an Singles, die - mehr oder weniger offen und selbstbewusst - eine neue Partnerschaft suchen. Diese Tatsache hat damit zu tun, dass wir heute sehr viel länger leben, als eigentlich nötig wäre, um unseren von der Evolution vorgegebenen Zweck (Sicherung des Fortbestands der Art) zu erfüllen. Die meisten von uns folgen dennoch dem normalen, vorgegebenen Weg: Sie tun sich mit einem Partner zusammen, sobald sie erwachsen sind und bekommen mit diesem meist Kinder, die gemeinsam aufgezogen werden. In diesem Alter sind wir körperlich erwachsen, geistig aber erst ganz am Anfang der ungeheuren Entwicklungsmöglichkeiten, die der Menschheit heute offenstehen.

Weil diese Entwicklungsmöglichkeiten heute auch ungleich vielfältiger sind als noch bei unseren Eltern/Großeltern, entwickeln sich junge Paare auch öfter in verschiedene Richtungen. Wir kennen alle die Tendenz, kaum jemand realisiert jedoch wirklich, dass heute laut Statistischem Bundesamt gut 3 x mehr Ehen als in den 1950er- und 1960er-Jahren geschieden werden (siehe www.destatis.de, Themenbereich Ehescheidungen). Bei den vielen jungen Paaren, die gar nicht erst heiraten, sieht die Tendenz ähnlich aus - wahrscheinlich unvermeidbar für eine "kopfgesteuerte" Spezies, die rund 3 Mal so alt wird als von der Natur ursprünglich vorgesehen.

Wenn ein reifer Mann seine Aufmerksamkeit (wieder) der Partnersuche zuwendet, steht ihm deshalb theoretisch eine recht große Auswahl an potenziellen Partnern zur Verfügung. Praktisch trifft er bei seinen ersten Ausflügen in Umgebungen mit Menschen, die auch zum Neu-Verlieben bereit sind, jedoch meist nur die Menschen, die sich wirklich sehr aktiv um die Partnersuche (oder Sexpartner-Suche) bemühen.

Sobald der frisch interessierte Mann auf einen dieser Menschen trifft, kann es mit dem Verlieben jedoch sehr schnell gehen - denn das funktioniert immer noch ganz genauso wie in der Steinzeit: Wenn Mann offen ist, sich neu zu verlieben, braucht es laut psychlogischen Studien nur noch eine als attraktiv und sympathisch empfundene Frau, um den "Vorgang des Verliebens" auszulösen (die Grundlagenstudie dazu ist aus dem Jahr 1989 und hier zu finden: https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0265407589063001).

Deshalb läuft der reife Mann gerade zu Beginn seiner noch etwas unentschlossenen Partnersuche Gefahr, sich ganz fix in eine Frau zu vergucken, die nicht wirklich gut zu ihm passt. Das ist für beide langfristig nicht perfekt - aber oft schon nach wenigen Treffen kaum mehr zu ändern, weil die intensiven Gefühle der Zuneigung bereits die körperliche Hormonproduktion angekurbelt haben. Die nun ausgeschütteten Neurohormone und Neurotransmitter krempeln den Menschen gründlich um:

Dopamin schenkt den Verliebten ein heißes Glücksgefühl, ein fallender Serotoninspiegel führt zu einer fast zwanghaften Fokussierung auf den neuen Menschen, Oxytocin lädt zum Schmusen ein, ein sinkender Testosteronspiegel beim Mann und steigender Testosteronspiegel bei der Frau bringt die beiden einander noch näher, Neurotrophine fixieren das Ganze und steuern noch einen Schuss Euphorie bei ... Verliebtheit ist ein Ausnahmezustand, bei dem die beteiligten Substanzen wie eine körpereigene Droge wirken und die "Betroffenen" in einen derartigen Zustand der Unzurechnungsfähigkeit versetzen, dass sie alles Störende am anderen Menschen nicht oder positiv wahrnehmen (vgl. medlexi.de/Verliebtheit).

Die Männer, die aus diesen Gründen nicht gleich in der Anfangsphase bei einer möglicherweise unpassenden Frau hängenbleiben, haben also Glück. Denn nach den ersten enttäuschenden Tinder- und Kontaktbörsen-Erfahrungen beginnen sie meist, ihre Suchstrategie zu überdenken:

Vom planlosen Beginn zur Suche mit Sinn

Natürlich ist es nicht wirklich eine Gefahr, wenn sich ein reifer Mann in eine möglicherweise nicht gut zu ihm passende Frau verliebt. Viele Männer in reifem Alter planen ohnehin zunächst, alle sexuellen Erlebnisse nachzuholen, die sie in 20 Jahren Ehe verpasst zu haben meinen (ob Sie wirklich etwas verpasst haben, ist völlig egal, auf das subjektive Empfinden kommt es an).

Jede neue Begegnung, jeder Ansatz von Verliebtsein bringt ein großes Plus an Lebenskraft, ein bewusstes Austoben darf und sollte unbedingt genossen werden (wenn die Sache offen angegangen wird, das erspart Enttäuschungen und eröffnet Möglichkeiten, falls Mann hierbei seine Traumfrau kennenlernt).

Es heißt aber auch nicht umsonst "vergucken" - der Mann ab 40, der mehr will als eine rosarote Zeit der Verliebtheit nach der anderen, übt deshalb in dieser Zeit des Ausprobierens emotionale Zurückhaltung, weil er nicht zwingend davon ausgeht, in einem bunten Reigen flüchtiger Begegnungen die Traumpartnerin für den Rest des Lebens zu treffen.

Wenn dieser Mann letztendlich auf eine neue Partnerschaft aus ist, bringt er deshalb schnell den Verstand mit ins "neue Spiel": Hat sich bei den ersten Versuchen der Annäherung ans andere (eigene) Geschlecht nach Wochen/Monaten noch nichts getan, sieht er darin keinen Grund, an der Liebe, dem Sinn vom Beziehungen oder dem Sinn der ganzen Menschheit zu zweifeln.

Sondern er nimmt sich selbst, seine Ziele und seine "Such-Strategie" noch einmal etwas genauer unter die Lupe, weil die bisherigen Wege der Partnersuche möglicherweise die falschen waren:

Wer sucht wo - und was?

In diesem Stadium (mit dem einige besonders kluge Männer starten) fragen sich viele Männer das erst Mal, was sie eigentlich genau wollen. Wenn sie bis zu dieser Frage gekommen sind, ohne sich mit der "nächstbesten Frau" zusammenzutun oder nach der x-ten Enttäuschung ins Eigenbrötlerdasein abzudriften, lautet die Antwort in der Regel: Sie suchen einen gut zur eigenen Persönlichkeit und zum den eigenen Lebensstil passenden, nicht mit unerträglichen Macken behafteten Partner, mit dem eine gleichberechtigte Beziehung über längere Zeit möglich ist.

Was eine unerträgliche Macke ist, kann im Vorfeld schlecht definiert werden. Ein paar Gedanken über die Grenzen der eigenen Toleranz können aber sicher hilfreich sein, so etwa in die Richtung: Mit welchen besonderen Zügen einer mir nahen Persönlichkeit kann ich auf keinen Fall auf Dauer leben?

Noch wichtiger ist eine Positiv-Liste: Welche Eigenschaften sind mir besonders wichtig (wurden beim letzten Partner vermisst), welche Interessen und Vorlieben sollte der Mensch haben, in den ich mich rettungslos verlieben kann?

Die Antworten führen dann zur Frage: "Wo kann ich solche Frauen kennenlernen?", und nach einiger Recherche in die geeigneten Umfelder, um potenziell passende Frauen zu treffen:

  • Sportliche Frauen finden sich in Vereinen (ohne Festlegung auf eine besondere Sportart, viele Menschen probieren gerne etwas Neues aus)
  • Aber auch in Foren, die sich mit bestimmten Sportarten, Ausdauertraining, gesunder Sporternährung etc. beschäftigen
  • Und vielleicht im Yoga-Treff, auf dem landschaftlich besonders schönen Lauf- und Wanderpfad, auf dem Platz für Agility-Training mit Hunden

Ähnlich kreativ und weitgefächert lässt sich das Suchumfeld für fast jeden anderen Bereich menschlicher Betätigung "ausbauen"; wobei meist schon bald klar wird, dass diese etwas ernstere Form der Partnersuche mehr Geduld und vielleicht auch mehr Beweglichkeit verlangt.

Dieser Weg zur neuen Liebe wird dennoch oft als entspannter empfunden, weil er sich sehr viel natürlicher anfühlt und auch interessante neue Bekanntschaften vermitteln kann. Wenn Männer darauf achten, sich mit Bedacht und Verstand neu zu verlieben, umfasst ihr Leben ohnehin meist so viele andere Aspekte, das keine Hektik angebracht ist:

Liebe ist nicht mehr "die Hauptsache"

Wir alle sind liebesfähige und liebesbedürftige Lebewesen, und Liebe ist sehr wichtig für unser Leben. Sie ist selbstverständlich immer dann die Hauptsache, wenn es notwendig und angebracht ist. Aber die Liebe sollte bei einem 40jährigen Menschen nicht mehr den gesamten Lebensinhalt bilden oder bestimmen; auch nicht in Form der Aussicht auf die perfekte Liebe, die bisher nicht verwirklicht werden konnte.

Wenn die Mutter keine Liebe schenken konnte oder die in der letzten Beziehung erlittenen Verletzungen noch zu frisch sind, sollte das sicher eher in einer wie auch immer gearteten Therapie abgebaut als einem neuen Partner aufgebürdet werden.

Die Männer, die sich auch in reiferem Alter ohne Schwierigkeiten neu verlieben, sind mit ihrer Psyche weitgehend im Reinen, und ihr Leben weist auch sonst einige typische Gemeinsamkeiten auf:

  • Sie sind selbstbewusst, brauchen kein Macho-Gehabe und keine narzisstisch anmutenden Eitelkeiten
  • Ihnen ist der (lebensverlängernde, s. www.sueddeutsche.de/gesundheit/medizin-wer-verheiratet-ist-lebt-vielleicht-nicht-besser-aber-laenger-1.3800195) Wert einer Paar-Beziehung bewusst
  • Sie können andere Menschen akzeptieren und respektieren; unabhängig davon, ob diese "rundum perfekt" sind
  • Sie haben vor allem auch ohne Partner ein erfülltes Leben.

Die Aktivitäten, die zur Gewinnung einer neuen Liebe möglicherweise noch dazukommen, bereichern dieses Leben einfach nur - wie es auch die neue Liebe tun soll. Wenn sich die neuen Aktivitäten in Bezug auf die Partnersuche als nicht erfolgversprechend erweisen, wird eben etwas anderes ausprobiert; ansonsten gilt für kluge Männer:

Entspannt genießen und abwarten

Wenn der kluge Mann ab 40 eine Frau trifft, die im wirklich gut gefällt, lässt er die Verliebtheit schön langsam wachsen. Gut informiert wie er ist, kennt er natürlich auch die Anzeichen, ab wann die unverbindliche erste Phase des Verliebens in die schon sehr viel verbindlichere Limerenz übergeht. So nennen Verhaltenspsychologen die anstrengende Vor-Phase der Liebe, in der Sie ständig an den neuen Partner denken und inständig hoffen, dass er Ihre Gefühle erwidert (muss nicht bei jedem eintreten, es wäre aber schade, wenn Sie darauf verzichten, siehe www.spiegel.de/spiegel/print/d-14316530.html).

Der kluge Mann ab 40 weiß aber auch, dass die Verliebtheit nach der hormongesteuerten Phase des Verlangens und der Phase der überwältigenden Partner-Fixierung irgendwann in eine Phase angenehmer, sicherer Verbundenheit übergeht - die die frische Beziehung stärkt, aber nicht vor späteren Sturmgewittern bewahrt (vgl. dazu psylex.de/psychologie-lexikon/emotion/verliebtheit.html). Er freut sich jedoch darauf, weil emotionale Ausnahmezustände andere Lebensbereiche zu kurz kommen lassen und er neugierig darauf ist, den neuen Partner ohne "rosa Schleier vor der Brille" rundum kennenzulernen.

Zuletzt überarbeitet:  5. November 2021